Entdeckt
evil clown_jillian
Donnerstag, 28. April 2016, 11:35 Uhr

Zirkusgemüse

Ausstellung Böse Clowns_reloaded im Kunstpalais Erlangen

Schon Ende 2014 schlichen sich Böse Clowns ins Dortmunder U, jetzt lauern sie im Kunstpalais Erlangen, wo die Ausstellung unter dem Titel Böse Clowns_reloaded ein Revival feiert.

Karotten zählen zu den Gemüsesorten, soviel ist schonmal klar. Aber wenn man es recht bedenkt, sind sie doch eigentlich viel mehr süß als salzig, sie begegnen uns als Saft und als Kuchen und benehmen sich auch sonst viel mehr wie Obst. Sie führen ein geheimes Doppelleben unter dem Deckmantel der botanischen Zwielichtigkeit. Ganz ähnlich verhält sich das mit Clowns. Irgendwie haben wir sie in die Schublade für‘s Kinderspielzeug abgelegt, als Spaßmacher, im Zirkus. Aber irgendwas lauert da schon, irgendwas kribbelt bei dem Gedanken an rote Nasen und Perücken mit Geheimratsecken. Und wächst sich bei genauerer Betrachtung ziemlich schnell zu ganz tiefem Grauen aus. Mehr als die Hälfte der Bilder, die das Internet zum Stichwort „Clown“ ausspuckt, lösen jedenfalls Reaktionen zwischen Unbehagen und Alptraum aus.

clowns collage
Bildquellen Collage: flickr | Happy Fondant Clown von Chris Martin | cc by 2.0 / flickr | The Word 'Art' Has Been Seriously Raped. I Wish Art Would Rape Back von Surian Soosay | cc by 2.0 / flickr | Simpson's Krusty the Clown Doll von Mike Mozart | cc by 2.0 / flickr | Evil Anamatronic Clown at the Maker Fare Bay Area 2014 von Eric Sonstroem | cc by 2.0


Das liegt natürlich daran, dass viele Alltagsclowns tatsächlich durch und durch böse sind. Dem Joker, Pennywise oder Anonymous möchte man zumindest nicht nachts begegnen. Und tagsüber eigentlich auch nicht. Selbst in ganz harmlosen Situationen wie in der Kassenschlange oder mit Badehose im Schwimmbecken würden uns diese Fratzen wahrscheinlich einen kalten Schweißausbruch bescheren.

Aber das macht die Sache ja auch irgendwie spannend, und wer sich gerne mal näher an die farbenfrohen Schreckgestalten heranwagen möchte, der kann das jetzt in den schützenden vier Wänden eines Museums, bei sanfter Beleuchtung und mit der beruhigenden Aura des Wachpersonals in direkter Reichweite tun. Das Kunstpalais Erlangen widmet sich in der Ausstellung Böse Clowns_reloaded vom 24.4.-26.6. dieser janusköpfigen Figur und gibt den erschreckend zahlreichen dunklen Zwillingen eine Bühne. 

Wir haben mit Initiatorin Amely Deiss gesprochen:







Mit einem zaghaften Halblächeln, Gänsehaut überall und aufgerissenen, skeptischen Augen finden wir uns zwischen vielen unbekannten, aber auch aus Film, Fernsehen und Werbung berühmten Clowns wieder und wimmern innerlich, kleinlaut wie damals beim ersten Zirkusbesuch: „Gar nicht lustig!“. Und genau so muss das sein, denn eine Kontroverse Figur eignet sich wunderbar als Träger von tieferen Botschaften: Der Clown war schon im Mittelalter der einzige, der am Hof ungestraft die Wahrheit sagen durfte. Er enthüllt, ist selbst aber maskiert. Und damit undurchschaubar. Und damit absolut überlegen.

Routinierte Museumsgänger haben beim Sonntagskaffee die morgendlichen Impressionen der  Ölgemälde vielleicht schon wieder vergessen. Wenn einem der Clown hingegen Familienfotos zeigt, dann wirken diese Bilder noch ein Weilchen länger nach. Und der Karottenkuchen schmeckt auch irgendwie …komisch.


Bildquelle:
flickr | Evil Clown von jillian.e | cc by 2.0