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Montag, 30. Mai 2016, 13:15 Uhr

Gut' Nacht um sechs

Nachtbus-Testbetrieb ab Oktober in Regensburg

In Regensburg stellt man sich ab Oktober nicht mehr die Frage: Gleich heim oder erst morgen früh? Zumindest vorerst.

WOHOO, JETZT SPIELEN SIE MEINEN LIEBLINGSSONG!
Ab weg von der Bar und rein ins Getümmel. Dann ein Blick auf die Uhr – und die Stimmung sackt schlagartig ein. Statt ausgelassen abzuzappeln, muss man sich schon wieder den ernsten Fragen des Lebens stellen: Fahr ich heim oder lass ich’s sein? Jetzt per Bus oder später zu Fuß?
Wobei sich solche Luxusprobleme auch nur die leisten können, die entweder sehr gut in Form oder im Umkreis von, sagen wir, 6km wohnhaft sind. Oder ein noch schlimmeres Szenario: NEIN!!! Eins nach eins! Die klaffende Lücke im Öffi-Takt hat sich bereits aufgetan, jetzt heißt es durchhalten bis zum ersten Bus oder auf müden Knochen nach Hause stelzen.

Solche Hop-oder-Top Momente können einem Abend ganz schön die Entspanntheit nehmen. In Regensburg gehören sie jetzt bald der Vergangenheit an: ab Oktober fahren dort nämlich endlich auch Nachtbusse. Immer in den Nächten auf Samstag und Sonntag, zwischen 00:30 und 04:30.

Martin Gottschalk von den Stadtwerken Regensburg hat uns mal erklärt, von welchen As zu welchen Bs uns die Nachtbusse befördern:



Und auch noch, was das dann kosten wird - im vergleich zum Taxi kommen besonders die Regensburger Studenten da echt billig weg:



Damit springt Regensburg auf einen Zug auf, auf dem auch schon die meisten anderen egoFM-Städte fahren.
In Nürnberg zum Beispiel gibt es schon seit 1998 Nachtbusse. Eine echte Vorreiterstadt, und das zu Zeiten, als man sich noch locker bis 8:00 zu Trancebeats die Beine in den Bauch stampfte und danach eh direkt weiter zum Technofrühstück gezittert ist. Auch in Augsburg steht mit stündlichen Nachtbussen am Wochenende das Standardpaket zur Verfügung. In München kommt man auch unter der Woche einmal die Stunde in alle Richtungen. Gehört sich auch so, für eine Landeshauptstadt, könnte man jetzt sagen, und würde dafür Stuttgart (zu Recht) auf die Zehen steigen. Dort sind die Nachtlinien nämlich auch nur am Wochenende in Betrieb. Dafür fahren seit 2012 statt der völlig überfüllten Busse die komfortablen S-Bahnen in die, nunja, ländlicheren Gegenden abseits des Kessels.

Während die Stuttgarter S-Bahnen sehr beliebt unter Nachtaktiven sind, war ein vergleichbarer Test in Würzburg eher ein Flop. Mit durchschnittlich drei Fahrgästen sind die Testbusse auf den 5 Linien durch Würzburg gezuckelt. Horrende Kosten, Tod der Nachtbusse. Traurig, aber auch verständlich.

Jetzt darf man gespannt sein, wie es nach dem einen Jahr Testbetrieb in Regensburg weitergeht. Beweisen die Regensburger eiserne Wadln und gehen lieber zu Fuß? Vermissen sie das vertraute, spätabendliche Gespräch und nehmen doch das Taxi? Oder füllen sie die Busse und sorgen dafür, dass sich das Projekt etabliert?



Bildquelle Titelbild: flickr | Beam von halfrain | cc by 2.0