Entdeckt
Chillax_Alex Gaylon_flickr
Donnerstag, 30. Juni 2016, 12:00 Uhr

Ich kann grad nicht, ich mach grad nix!

Nichtstun wird Sport in Südkorea

Seit 2014 findet in Seoul jährlich ein Wettbewerb statt, bei dem die Sportler (quasi nicht) darum kämpfen, wer der Beste im Nichtstun ist.

Eine Meldung aus Südkorea mit unerwarteten Folgen: Plötzlich häufen sich in der egoRedaktion Anträge auf Betriebssport. Der Ehrgeiz ist geweckt und heimliche Trainingseinheiten am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit mehr. Endlich eine Möglichkeit zur körperlichen Untätigkeit auch an heißen Tagen. Wir machen uns jedenfalls fit – falls die Nichtstu-Competition es mal nach Deutschland schaffen sollte, und haben uns schonmal die folgende komplette Trainingsausrüstung zusammengestellt:

collage
Bildquellen Collage: nichts | nichts | nichts | nichts | nichts | nichts 


Derzeit gibt es das Wettgammeln nämlich leider nur in Südkorea. Die Visual Arts-Künstlerin WoopsYang hat die "Space Out Competition" 2014 ins Leben gerufen. Ihr könnt euch nichts drunter vorstellen? Hier die harten Fakten...

Der Wettkampf
Austragungsort
Besonders geschäftige Orte wie beispielsweise das Rathaus von Seoul (2015) oder der Stadtpark (dieses Jahr)

Austragungszeit
Einmal jährlich zu einer besonders geschäftigen Zeit (dieses Jahr Montagmorgen)

Teilnahmebedingungen
Bewerbung und Qualifikation in der Vorrunde (dieses Jahr wurden 70 der über 2.000 Bewerber zum Wettkampf zugelassen)

Regeln
Erlaubt ist nur das "Space Out", das geistige Abdriften. Untersagt ist alles andere. Wer spricht, schläft, auf die Uhr schaut, elektronische Geräte bedient und so weiter wird sofort disqualifiziert. Bei körperlichen Bedürfnissen wie Toilettenbenutzung, Hunger oder Durst können die Sportler eine entsprechende Karte hochhalten, um einen Antrag zu stellen. Alle 15 Minuten wird die Herzfrequenz der Teilnehmer gemessen. Der Wettkampf wird von einem Live-Kommentator für die Zuschauer begleitet.

Ziel
Wer in den 90 Minuten mit seinem Herzschlag das konstanteste Diagramm zeichnet, gewinnt (dieses Jahr der Rapper Crush)


Habt ihr Lust bekommen, mitzumachen? Dann bereitet euch schonmal auf die krassesten Angstgegner vor:

konkurrenzBildquellen Collage: egoFM / flickr | Faultier von Michel Espig | cc by 2.0


Ok, das war vielleicht nur ein Scherz. Aber WoopsYang führt das Massenchillen nicht (nur) zum Spaß durch. Südkorea ist eine der gestresstesten Nationen der Welt. Sie selbst litt an Burn-Out, als ihr die Idee zum Contest kam, und konnte damals ihren ständigen Tatendrang einfach nicht abschalten. Erst die Deklaration als Massensport gab dem Nichtstun einen Sinn:

We would all feel better about doing nothing if we did nothing together as a group.
Deswegen auch die Wahl des Austragungsortes und der Uhrzeit. Die Teilnehmer sind aufgerufen, in ihrer Arbeitskleidung zu kommen, sodass – und hier kommt der künstlerische Aspekt ins Spiel – Vorbeigehende eine Insel aus Menschen wahrnehmen, die einfach mal abschalten und unter denen alle möglichen Bevölkerungsgruppen vertreten sind.

Natürlich gibt es auch Stimmen, die das Ganze als Unterhaltung auffassen und nicht als Kunst. Aber: Macht ja nichts!


Bildquelle Titelbild: flickr | Chillax von Alex Gaylon | cc by 2.0