Entdeckt

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Mittwoch, 04. Januar 2017, 00:00 Uhr

Studien für unser ego

Wir machen alles richtig

Acht Stunden schlafen, stets lächeln und am besten vor dem ersten Kaffee 60 Kilometer joggen - alles Quatschmaßnahmen für ein glückliches, gesundes Leben. Wir haben ein paar Studien entdeckt, die uns anti-selbstoptimierten Menschen schön den Bauch pinseln.

Das ist immerhin auch die beste Methode, mit den widersprüchlichsten Ergebnissen aller möglichen Studien umzugehen: Man sucht sich einfach die aus, die am besten zu einem passen. Nun denn...

Pasta macht dünnDas hätten wir uns doch eigentlich denken können: Pasta macht gar nicht dick, Pasta hilft uns dabei, dünn zu bleiben! Klingt ja irgendwie auch logisch oder kennt ihr dicke Italienerinnen und Italiener? Hm... vergesst die Frage.

Doch wie dem auch sei: In Ernährungsstudien wurden zum einen 14.402 Frauen und Männer in Italien plus weitere 8.964 Männer und Frauen weltweit über mehrere Jahre untersucht. Das Ergebnis: Die sowohl weiblichen als auch männlichen Pastakonsumenten beider Studien hatten erstens einen niedrigeren Body-Mass-Index, zweitens einen kleineren Taillenumfang und drittens ein niedrigeres Taillen-Hüft-Verhältnis. Außerdem konnte festgestellt werden, dass Menschen weniger fettleibig sind, je mehr Pasta sie im Rahmen ihrer zugelassenen Kaloriengrenze zu sich nahmen. Grandios, ab jezt gibt es also morgens, mittags und abends Lasagne.

Den Grund für die Spitzenfigur sehen die Forscher allerdings eher im gesunden Drumherum, denn Pasta essen schließt mit ein, dass die Nudeljunkies auch andere wichtige Nahrungsmittel wie Tomaten, Tomatensoße, Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl und guten Käse verzehren.

Sportmuffel sind intelligenter"Jaja, Bewegung regt das Hirn an", sagen sie. "Davon wird man quasi intelligenter", meinen sie, "weil es irgendwas anregt", munkeln sie. Bullshit. Eine Studie will nun bewiesen haben, dass Menschen, die Sport hassen, die wahren Genies sind - weil sie schlichtweg lieber denken, als Sportirre, die sich lediglich aus Langeweile an sich selbst körperlicher Anstrengung hingeben.

Fluchende Menschen sind intelligenterEine amerikanische Studie bat Testpersonen, innerhalb von einer Minute so viele Schimpfwörter wie möglich rauszuhauen. Dabei stellte sich heraus, dass die fäkalsprachgewandtesten auch den vergleichbar höchsten IQ hatten. Fuck, wie gut.
Kleines Manko der Studie: Wissen um Schimpfwörter ist nicht gleich dem tatsächlichen Gebrauch von Schimpfwörtern. Ist uns aber scheißegal.

Menschen, die wenig schlafen, sind intelligenterEine Studie, die wir gerne schwarz auf weiß unseren Müttern vorlegen würden - allerdings nicht wirklich erklären können. Der Grund: Die letzte Nacht war mal wieder wahnsinnig intellektuell lang und der Artikel, für den daraus resultierenden Geisteszustand etwas zu anspruchsvoll. Können. Nicht. Denken.
Deswegen muss man dazu sagen, dass schlafen halt auch schon ziemlich toll ist und man sich einfach wie ausgewürgt fühlt, wenn man bis 5 Uhr morgens wach war, um 9 Uhr allerdings wieder am Schreibtisch hocken muss. Zumindest müssen wir jetzt kein schlechtes Gewissen haben, wenn es dann doch alle zwei Tage vorkommt.

Wer viel liest lebt längerHerausgefunden hat dies eine Studie der Yale University. 3.635 Personen Ü-50 wurden dafür in drei Gruppen unterteilt: (Menschen, die gar nicht lesen, Menschen, die unter 3,5 Stunden lesen und welche, die über 3,5 Stunden lesen). Die Testpersonen wurden anschließend zwölf Jahre lang begleitet - mit einem deutlichen Ergebnis: Die Vielleser lebten durchschnittlich zwei Jahre länger. Passt prima zu unseren Strandlektüreempfehlungen. Und wenn dazu auch Facebook-Postings zählen, dann heureka!

Natürlich könnte man nun meinen, dass dies auch ein bisschen am gehobenen Lebensstandard von Bücherwürmern liegt: Die sind durchschnittlich gebildeter, haben also eine bessere Schulausbildung, einen besseren Uniabschluss, ergo einen besser bezahlten Job und somit eine höhere Lebensqualität. Dies hat die Studie jedoch berücksichtig und zeigt: Nö. Das Ergebnis sei völlig unabhängig von Bildungsstand, Einkommen, Geschlecht und Gesundheitszustand.

Das Problem nichtsdestotrotz: So viel liest man dann ja doch nicht. Zumindest nicht so viel, wie man sich meist vornimmt (immer in den Öffentlichen, im Urlaub, vorm Schlafen,...) - jedoch! Liebe Freunde des nicht ganz so disziplinierten Lebensstils: Das ist gar nicht schlimm. Weil...

Hörbücher zählen gar nicht als MogelnDamit habt ihr auch als Hörbuch-Enthusiasten die Chance auf ein langes, langes Leben. Euer Hirn macht nämlich kaum einen Unterschied zwischen lesen und zuhören. Dazu zählen dann nicht nur unsere geliebten ???, auch Musik (mit Texten) müsste darunter fallen.

Zahnseide bringt gar nichtsAdieu, madige Schamesröte, wenn der Zahnarzt mal wieder nach dem persönlichen Gebrauch von Zahnseide fragt. Adieu, Rechtfertigungsversuche wie "Ich komm' gar nicht zwischen die Zahnlücken", "Dafür benutze ich Mundspülung" und so weiter und so fort. Adieu verdammtes Zahnfleischbluten, wenn man sich das Zeug mal wieder zu fest reingerammt hat. Euer Zahnarzt kann euch bei der nächsten Vorsorgeuntersuche gar nichts mehr anhaben! Denn wie sich herausgestellt hat, bringt die feine Seide gar nicht mal wirklich was - außer, größere Essensreste aus den Zahnlücken zu entfernen. Gegen Karies richtet es jedoch kaum was aus, beugt dem nicht mal vor. Grund: Da die Zähne geschwungen sind, kommt diese dort gar nicht ran.

Zu guter Letzt der Klassiker: Schlampige Menschen sind GeniesDie müssen schließlich ein enorm gutes Gedächtnis dafür haben, um sich erinnern zu können, wo was in ihrem Chaos verstaut ist. Aber das wissen und sagen wir schon seit frühester Kindheit - es ist trotzdem schön, es regelmäßig bestätigt zu bekommen. Mutter war trotzdem nur semistolz über endzeitartige Verwüstung im Kinderzimmer.

Dass es zu jeder dieser Studien mindestens 30 Gegenstudien gibt, ist völlig wurscht. Die Moral ist: Macht einfach, was ihr wollt und stresst euch nicht mit dem ganzen Selbstoptimierungskram. Kurz:

Lebet, Kinder. Lebet lang und in Frieden - auf eure ganz eigene Art und Weise.


Bildquelle: flickr | "Have a nice day" von Doctor Popular | cc by-sa 2.0

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