Entdeckt
Cruise von Don Richards_flickr
Montag, 31. Juli 2017, 00:00 Uhr

Kreuzfahrten: Auf dem richtigen Dampfer

...das Laster ausleben

Nur Menschen über 50 machen Urlaub auf dem Schiff? Eindeutig Seemansgarn. Mach dein Hobby zur Kreuzfahrt und triff haufenweise Leute, die genauso besonders sind wie du!

Vom 4.-9.11.2016 hatten wir von egoFM alle Sonderurlaub beantragt, um mit The Hoff auf dem Mittelmeer rumzuschippern. Wir haben unsere hellgrünen Bikinis gegen feuerwehrrote Bademode ausgetauscht und trainiert, beim Joggen in Zeitlupe ein gutes Bild abzugeben. So eine Fan Cruise mit David Hasselhoff  beweist, dass Kreuzfahrten eben nicht nur was für Leute mit Thrombosestrümpfen und Kukident im Koffer sind. Für uns junge, hippe, abenteuerlustige Menschen gibt es allerlei Vergnüglichkeiten auf hoher See. Komm'se ran, komm'se ran, is' für jeden was dabei!

Weightwatch statt BaywatchOk, fangen wir mit der unangenehmsten Form der Kreuzfahrt an: Das Abnehmschiff. Ja, man kann eine Woche lang durch die Karibik eiern, um seinem Traumgewicht näherzukommen. Cruisin' without Cuisine. Man könnte jetzt denken, wenn außer Reis, Gurken und Mineralwasser nichts mit an Bord geht, kann man ja auch nicht anders, als Kilos abwerfen. Wenn dann noch praktischerweise ein starker Seegang dazukommt und man ein paar mal über der Reling hängt... Leider ist das nur die Theorie. Denn der berühmte amerikanische Abnehmclub lädt zwar gern auf das Bötchen ein, allerdings handelt es sich dabei um reguläre Kreuzfahrtschiffe mit haufenweise Unbeteiligten, die genüsslich der Urlaubsvöllerei frönen. Folglich lauert dort an jeder Ecke ein kilometerlanges Sahnesauce- und Grillgutbuffet. Die Abnehmwilligen bedienen sich lediglich von einem gesonderten Buffet, auf dem alles nur halb so sehr glänzt, und dürfen dort auch nur höchstens 30 Punkte täglich auf ihren Teller schaufeln (mittlere Pommes: 10 Punkte). Mal ehrlich, wir können uns nicht wirklich einen Grund vorstellen, warum man seinen Urlaub ausgerechnet zum Diäten verwenden sollte, aber wenn es hilft....

Handarbeit und KochskillsKreuzfahrtschiffe bringen verschiedene Vorteile mit sich. Erstens: Wenig Menschen, wenig Platz, viel Zeit – das zusammen wirkt sich wie ein Katalysator auf soziale Prozesse aus. Kurz: Man lernt sich schnell kennen. Zum Beispiel auf einer Strick- oder Häkelkreuzfahrt. Das sind ja bekanntlich Tätigkeiten fürs stille Kämmerlein. Auf dem richtigen Dampfer finden sich dagegen schnell Handarbeits-Homies, zusätzlich zum Urlaubsprogramm sammelt man also wertvolle Kontakte zur Szene und sicher auch ein paar Geheimtipps fürs Nähkästchen. „Cruising with a purpose“ wirbt der Veranstalter. Hier hat jemand verstanden, dass erholsames Fläzen nicht der Zweck einer Urlaubsreise sein kann. Der Wollbikini im Partnerlook bleibt einem dann nicht nur als Sinnbild für neu geknüpfte Freundschaften, sondern auch als Souvenir, Strickmuster und nützlicher Alltagsgegenstand.

Die Zeit auf dem Schiff zur Weiterbildung zu nutzen, scheint überhaupt ein probates Konzept zu sein. Auf der Donau trifft man Biersomeliers, Weinkenner steuern die Côte d’Azur an. Auf einem Schiff in der Karibik bieten die Teilnehmer der Kochserie Master Chef mit Expertentipps für das beste Meeresfrüchte-Salatdressing Ablenkung von den ewig langen, eintönig türkisfarbenen Palmenstränden. Und bevor wir es vergessen, es gibt natürlich auch die obligatorische vegane Alternative: als Flusskreuzfahrt auf dem Rhein – „weil Urlaub wieder Urlaub sein soll – auf höchstem Niveau“.

the lake traffic jam von Claus Rebler flickr
Bildquelle: flickr | the lake traffic jam von Claus Rebler | cc by 2.0

Space ShipsAbgesehen vom schönen Gefühl geteilter Ansichten hält so ein Schiff aber auch noch andere Vorteile bereit. Der Raum ist begrenzt und vor störenden Einflüssen von Außen gefeit und schreit somit geradezu danach, als Cosplay-Plattform genutzt zu werden. Kein Straßenlärm durch die Fensterscheiben, kein Schaulustiger in Zivilkleidung, der durch die Szenerie latscht und alles kaputt macht. Die Star Wars Cruise haben wir dieses Jahr leider verpasst, aber es gibt noch jede Menge Hochsee-Cosplay zu entdecken. Endlich ungestört in der eigenen Welt versinken. Oder so.



Kajüte statt Zelt auf dem Metal-LinerIn musikalischen Kategorien gedacht, ist der Ozeandampfer vergleichbar mit dem Festivalgelände. Letzteres ist umgeben von hektarweise Ackerfläche, nur wenn man Pech hat, fährt ab und zu morgens ein Landwirt mit der Gülledusche vorbei, ansonsten: Ruhe, Ödnis, Ungestörtheit. Auf dem Schiff potenziert sich dieser Effekt: kein Düngfahrzeug, kein Acker, nur Wasser. Welche Ort eignet sich also besser, um sämtliche Hemmungen über Bord zu werfen, volles Rohr die Sau rauszulassen und dabei auch noch richtig Lärm zu machen? Genau. Und wenn man am nächsten Tag nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, macht das gar nix, ist ja eh alles blau.



Feuchter-Traum-SchiffFestivalkreuzfahrten gibt es für jeden Musikgeschmack und auf jedem Gewässer. Ein Metaltrip kommt gegen unseren Fantrip mit David allerdings nicht wirklich an. Aber es gibt da ja auch noch andere Wege, sich auszutoben. Die Desire Cruise auf der „Venice Foreplay“ macht uns da schon eher neugierig. Wie man im Trailer auf der offiziellen Seite erkennt, sind da auch wirklich nur schöne, interessante, wohlgeformte, liebeshungrige, niveauvolle, duftende Menschen an Bord. Das wäre doch genau was für uns. Not. Sieht dann ungefähr genau so aus:

collage kreuzfahrt
Bildquellen Collage: facebook | Desire Resorts / facebook | Desire Resorts

Gibt’s natürlich nicht nur für Hetero-Paare. Kreuzfahrten für Homosexuelle sind genauso einfach zu finden wie die für Swinger. Und was packt man für so einen Trip ein? Natürlich alles, was der Kleiderschrank hergibt. Nur für den Fall der Fälle. Mit diesem Problem müssen sich Passagiere der Paul Gauguin nicht herumschlagen. Föhn, Haarbürste, Handtuch…Schlappen, fertig ist die Tasche für die Nude Cruise. Eine Kreuzfahrt fast ohne Textilien. Wenn das nicht überzeugt:

Ungeschlagen: Fan CruisesAber irgendwie verblassen diese ganzen Alternativen neben unserem Trip mit David. Für Autogrammjäger wie uns ist die Aussicht einfach zu verlockend, dass er uns sieben Tage lang nicht entkommen kann. Oder wir ihm. Wir wickeln das Wollknäuel wieder auf, lassen das Dosenbier daheim, ziehen das Darth Vader-Kostüm doch nicht aus dem Schrank, packen statt der Plüschhandschellen doch lieber ein paar Klamotten und die rote Boje ein und hoffen, dass ein klitzekleines Bisschen von seinem Ruhmesglanz auf uns abstrahlt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr jetzt zwar infiziert von der Idee seid, aber nicht so auf Davids Songs steht, könnt ihr hier noch Tickets für die Bussi-Kreuzfahrt mit Wanda erstehen. Die führt natürlich auch nach Bologna, wo sich vielleicht die Frage der Existenz eines unehelichen Kindes von Tante Ceccarelli endlich aufklärt. Wäre auf jeden Fall unsere zweite Wahl!

Bildquelle Titelbild: flickr | Cruise von Don Richards | cc by 2.0