Entdeckt
konzert crowd
Montag, 13. März 2017, 00:00 Uhr

Vorbands, die ihr hören solltet

Zwei zum Preis von einem, bitte

Oft läuft's ja eher so ab: "Beginn ist 20:30, aber da spielt erstmal der Support. Ich schau, dass ich so um 21:30 Uhr da bin, wenn's los geht" - das ist aber ganz schöner Quatsch. Manche Konzerte lohnen sich allein schon für die Vorband. Wir hätten da ein paar Beispiele...

AnnenMayKantereit bei den Beatsteaks, Von Wegen Lisbeth wiederum bei AnnenMayKantereit, Gengahr bei alt-J, Faber vor OK KID und tausend Beispiele mehr:
 Hin und wieder hat man bei Konzerten so sau viel Glück, dass man bei einem Konzert gleich zwei fantastische Acts zu hören bekommt und somit automatisch eine Lieblingsband mehr auf dem MP3-Player landet. Zwei zum Preis von einer, quasi.

Bevor ihr euch jetzt aber fürchterlich ärgert (möglicherweise sogar ein bisschen weint), dass ihr diese irren Kombos verpasst habt, lasst euch einen Vorgeschmack geben, was in Sachen Support-Acts in nächster Zeit noch so auf euch zukommt...

Olivier St. Louis bei Oddisee
Ist eigentlich in Washington D.C. geboren, verbringt aber die meiste Zeit seiner Kindheit und Jugend auf einem Internat. Weit ab vom Schuss in England. Entsprechend viel Zeit hat er, um seinen musikalischen Horizont zu erweitern. Und auf diesen beiden Schienen geht‘s auch weiter: Bildung und Bodenständigkeit vs. Leidenschaft für Musik. Mit einem Abschluss in Biologie führt er später ein Doppelleben: Tagsüber das Brain im Labor, nachts Soul im Studio.

2006 taucht er mit seinem ersten Album kilowatt auf dem Radar auf. Damals noch als Olivier DaySoul bringt er Underground-HipHop und Soul unter einen Hut. Vier Jahre später stellt er die Reagenzgläser endgültig ins Regal und widmet sich ganz seiner Musik. Er lässt sich auch direkt einen ziemlich verwegenen und auf jeden Fall unwissenschaftlichen Vollbart wachsen. Er verwendet jetzt wieder seinen echten Nachnamen St. Louis und kommt auch akustisch bei dem an, was ihn unverkennbar macht: Eine Mischung aus funkigen Rhythmen, lässigen Bluesgitarren und schierer Stimmgewalt.



HIER gibt's alle Tour-Termine Oddisee.


Moglii bei Bergfilm
 
So soll es sein: Musikalische Neuentdeckungen führen zu noch neueren musikalischen Neuentdeckungen. Die Kölner Bergfilmer haben sich zu diesem Zweck den perfekten Support ausgesucht: Moglii (ja, wir fühlen uns bei dem Namen dazu verführt, ihn fünf Oktaven höher anzustimmen und die "i" dabei möglichst lang zu ziehen).
Der Synthslayer Moglii(iiiiiiiiiiiii) kombiniert seine elektronischen Basteleien gerne mit wunderbarst souligen Klängen, die wunderbarst auf seiner letzten EP Down Under (2016) zu hören sind - und live vor den Auftritten von Bergfilm.



HIER gibt's alle Tour-Termine von Bergfilm.


NIHILS bei Claire
Laut dem Promotext der österreichischen Elektro-Pop Band wurde die Single "Help Our Souls" über eine Million mal angeklickt, der Urban Contact Remix davon sogar über fünf Millionen Mal - um das zu verdeutlichen: das entspricht 59 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Beste Voraussetzungen, Claire auf ihrer Tour würdig zu supporten.
Das für 2016 angekündigte Debütalbum Perspective ist uns das Trio noch schuldig, sollte aber noch pünktlich zum Tour-Start veröffentlicht werden. Bis es so weit ist, scrollen wir munter auf ihrer Homepage, damit sich der grafisch sehr ansprechende Kreis schön um die eigene Achse dreht.



HIER gibt's alle Tour-Termine von Claire.


Woman bei Clock Opera
Das Kölner Trio Woman gibt es schon seit 2012, lange haben sie sich allerdings unter dem Radar versteckt halten können - bis 2016 ihre Debüt-EP Fever erschien. Mit ihrem Klang schaffen die drei Männer gekonnt den Spagat zwischen Altem und Neuem und düsterem und lieblichem Elektro-Pop, indem sie klassische Klänge mit futuristischen, teils psychedelischen Elementen verbinden. Die freudig erwartete Platte Happy Freedom erscheint voraussichtlich am 12. Mai. Wem das zu lange dauert, kann Woman auch demnächst live sehen, denn sie begleiten Clock Opera auf ihrer Europa Tour.



HIER gibt's alle Tour-Termine von Clock Opera.


FLUT bei Drangsal
Angefangen hat alles mit einem tragbaren VHS Rekorder.
Mit der Info über sich haben uns die Österreicher auch schon gewonnen. Müssen wir mehr wissen? Eigentlich nicht. Aber wenn ihr es genauer wissen wollt: Bei der Band handelt es sich um ein Quintett, das 80s-Klänge mit österreichischem Dialekt versieht und dabei auch gerne mal Auto-Tune benutzt, auf das Imogen Heap neidisch wäre. Die erste offizielle Single "Tiefschlaf" wurde letztes Jahr veröffentlicht, 2017 folgte dann "Linz bei Nacht".



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Little Big Sea bei Garish
Dream Pop trifft es ganz gut: Die Wiener Band Little Big Sea verführt mit zuckersüßlichen Melodien und liebevoll gehauchten Texten. Müsste man die ursprünglich aus Niederbayern stammende Band einem Raum zuordnen, es wäre mit Sicherheit das Schlafzimmer. Mit weichen Stricksocken, warmer Decke und Pyjama lässt sich die Musik von Little Big Sea am besten genießen. Der Name macht beim Zuhören auch mehr und mehr Sinn - stille Wasser sind schließlich tief und Tiefgang hat das Trio bis zum Grund des Mariannengrabens.



HIER gibt's alle Tour-Termine Garish.


Island bei Palace
 
Wow, hier hätten wir zwei Paradebeispiele für Bands, die wohl keinerlei Wichtigkeit darin sehen, googlebar zu sein. Dafür bekommt man, wenn man denn mal beide Bands zusammen sucht, wunderbare Angebote zu Bungalows auf Kambodschas Koh Rong Island. Umso witziger ist es, dass die Klänge von Island einen gedanklich in ähnliche Gefilde katapultieren. Vor kurzem erst veröffentlichten die Londoner Elektro-Popper ihre zweite EP A Place Like You. Perfekt, um sich in den etwas rauer verträumten Klang von Palace (übrigens nicht zu verwechseln mit der Metal-Band) emotional einzustimmen.



HIER gibt's alle Tour-Termine Palace.


Awir Leon bei Talisco
Da hat sich der Franzose Talisco, dessen Klang ja gerne mal ins üppig Epische abschweift, das perfekte Gegenstück gesucht. Awir Leons Songs setzen sich nämlich so zart und fein zusammen, dass man beim konzentrierten Anhören zunächst schon Angst haben muss, dass der Klang zerbricht. Mit der Zeit heften sich allerdings derart viele verschiedene Klang-Elemente an den dürren Urstamm, dass man sich problemlos vorstellen kann, wie gerade jede Neurone im Hirn einmal ploppt. Wenn ihr uns das nun nicht glaubt, dann gebt euch doch mal seinem Debütalbum Giants hin, das der Amsterdamer 2016 veröffentlicht hat.



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 Magic Island bei Xiu Xiu
Auf den ersten Blick könnte es Aurora sein – aber die Tannenbäume fehlen. Auch die Klänge sind weniger naturnah als die der Norwegerin. Magic Island produziert sich ein Bett unter die kräftige, klare, hohe Stimme, das eher gläsern zu sein scheint als hölzern. Synthielastig, elektronisch, verspielt, zuckrig. Seit 2013 schwebt die Solokünstlerin damit schon zwischen den Sphären und hat bereits zwei digitale Alben und zahlreiche Singles fertiggestellt. Am 24. Februar erscheint das nächste Werk Like Water.

Abgesehen vom Live-Lonzert klingt Magic Islands Dreampop über Kopfhörer eigentlich am besten, ihr könnt also schon mal das Elektrofachgeschäft eures Vertrauens nach einem Adapterstecker durchsuchen, denn das neue Album gibt’s entweder digital oder als limitierte Edition auf der guten alten Kassette.



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H. Hawkline bei Devendra Banhart
Der walisische Sänger und Songwriter H. Hawkline ist eigentlich schon ein alter Hase: Lange war er im Radio tätig, bis er 2010 sein Debütalbum A Cup of Salt veröffentlichte. Darauf folgten zwei weitere, mit folkigen Gitarrenklängen bepackte Alben in den Jahren 2011 und 2015. Nachdem er bereits 2015 Foxygen auf deren Europa Tour begleitet hat, kehrt Huw Evans nun mit Devendra Banhart zurück auf die europäischen Bühnen. Im Verlauf diesen  Jahres folgt dann auch das nächste Album.



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Bildquelle:
flickr | "IMG_4372" von Avarty Photos | cc by-sa 2.0