Entdeckt
Aleppo von Joshua Tabti_flickr
Freitag, 23. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Für die Menschen in Aleppo

Nicht nichts tun

Aleppo zerfällt zu Staub, und die Welt schaut zu. Ohnmächtig? Es gibt tatsächlich wenig, was wir von hier aus gerade für die Menschen dort tun können. Aber lasst uns dieses Wenige zusammentragen und umsetzen.

Wir saßen lange da und haben nach Worten gesucht. Gefunden haben wir nichts, aber nichts sagen ist auch keine Lösung. Genauso wie nichts tun. Stimmen erreichen uns ohne Umwege aus Aleppo, als Luftbilder von Drohnenvideos auf Nachrichtenseiten, als Hilferufe aus Kindergärten über Twitter. Und mit den Zimtsternkrümeln fällt auch syrischer Bombenstaub auf unsere Tischdecke.

Man braucht die Zimtsterne nicht liegenzulassen. Überall auf der Welt geschieht viel Schlimmes, in München, in Bayern, in Deutschland, in Europa. Und doch: Da sitzt man dann mit glattgebügelten Vorweihnachtsemotionen, mit sanftem Gemüt um den Tannenbaum und möchte doch irgendwie an den Plätzchen ersticken. Denn heutzutage liegt nicht mehr nur die eigene Heimatstadt vor der eigenen Haustüre, wir alle sind Aleppo nah. Und dort ersticken jede Minute Menschen. Wahnwitzige Gewalt presst jegliches Leben aus dieser Stadt, und während auf allen Wegen Hilferufe und traumatisierte Menschen zu uns strömen, können wir derzeit nichts zurückgeben. Null. So fühlt es sich an.

Es ist und bleibt wichtig, über Trinkwasser in Clubs zu debattieren. Und sich, wenn man Hilfe leisten möchte, grundsätzlich immer auch Gedanken darüber zu machen, welche Organisation man unterstützt. Und auch, zu hinterfragen, ob alle Spenden, die man tätigt, an der richtigen Stelle ankommen. Oder ob man lieber direkt rausgeht und dem Bettler oder der Obdachlosen in der eigenen Straße ein Brötchen kauft. Dann eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen, und nach bestem Wissen und Gewissen einen Beitrag zu leisten. Das gilt immer.

Aber jetzt sind wir ohnmächtig. Wir haben, schlicht gesagt, keine Ahnung, wie es ist, in diesem Moment in Aleppo zu sein. Geschweige denn, was man tun kann. Zeit für reifliche Überlegungen haben wir aber auch keine mehr. Das Leid in Syrien übersteigt die Vorstellungskraft des einzelnen Menschen, und deshalb möchten wir hier vor allem eines sagen: Alles Positive, was jetzt von uns in Richtung Syrien geschickt wird, ist gut. Seien es Gedanken, Symbole des Mitgefühls, oder der eine Euro, von dem vielleicht sogar 50 Cent unterwegs versickern. Alles zählt jetzt.

Das hat uns auch Herr Labanieh vom deutsch-syrischen Verein in Darmstadt so gesagt. Er ist selbst Syrer, lebt seit über 20 Jahren in Deutschland und hat Elise am Telefon von den Nachrichten aus seiner Heimat erzählt, die ihn fassungslos machen. Auch er sagt: Es ist nicht viel, was man für die Menschen, die jetzt noch in Aleppo sind, tun kann, aber das Wenige sollte getan werden.



Beim Deutsch-Syrischen Verein kommt eine Spende also auf jeden Fall bis ganz dicht an die zerbombte Stadt und hilft den Verletzten, die entkommen wollen oder es bis vor die Stadttore geschafft haben. Es gibt natürlich viele, viele weitere unterstützenswerte Ideen und Aktionen. Wir hätten euch an dieser Stelle gerne eine Auswahl bereitgestellt, doch auch wir sind ratlos, wenn es darum geht, die Möglichkeiten zu beurteilen und zu filtern.

Deshalb zählen wir auf die Zusammenarbeit aller Egos da draußen. Mahnwache an der Uni, Gebet im Stadtpark, Kerze anzünden im Dom, Demonstrieren auf dem Marktplatz oder doch Geld in die Hand nehmen – Daumen hoch für alles, was ihr tut.

Lasst uns wissen, welche Wege ihr gefunden habt. Vielleicht steigen noch mehr Egos ins Boot. Und wenn es nur einen Handgriff gibt, dann ist das immernoch einer mehr als nichts.

HIER könnt ihr unkompliziert für die Krankenhäuser spenden, die vom deutsch-syrischen Verein unterstützt werden. Wenn ihr Anregungen, Veranstaltungshinweise, Ideen oder Nachrichten habt, schreibt uns gerne eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Bildquelle Titelbild: flickr | Aleppo von Joshua Tabti | cc by 2.0