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Konzert

Faber | Stuttgart

11.10.2017 20:00 Uhr
Im Wizemann Quellenstraße 7, 70376 Stuttgart
Die Musik eines guten Singer/Songwriters besitzt immer auch etwas Heimeliges: Songs wie eine warme Jacke, eine Stimme wie das Nach-Hause-Kommen nach einer langen Reise. Lauter Attribute, die auch auf den Anfang-Zwanzigjährigen Faber aus Zürich zutreffen – und dennoch, etwas Entscheidendes ist anders hier...

Die von Akkorden begleitete Gefälligkeit des Genres stellt etwas dar, was der Typ mit dem verschmitzten Blick so gar nicht mit seinen Kollegen teilen will. So ist es gerade der bewusste Verzicht darauf, der ihn zu einem der interessantesten, ja, aufwühlendsten Talente der Schweizer Musikszene werden lässt. Denn Musik und Texte des Zürichers, der eigentlich Julian Pollina heißt, besitzen Widerhaken, es geht an keiner Stelle darum, sattsam bekannte Befindlichkeiten zu paraphrasieren. Kein egaler „Glaub an Dich“-Scheiß, ein Stück wie „Wer nicht schwimmen kann, der taucht“ begegnet dem verstörenden Flüchtlingsdrama am Mittelmeer eben auch mit verstörenden Mitteln - überhaupt glänzt Fabers Lyrik gern mit Brecht‘schem V-Effekt. Hier werden Gewissheiten in Frage gestellt, es wird sich selbst aufs Glatteis gelockt. Denn mal ehrlich... nur relaxed mit Klampfe und C-Dur am Kaminfeuer sitzen, das wäre doch einfach zu langweilig.

So erfüllt sich dann auch gerade live Fabers Punkbackground. Neben ruhigen und ergreifenden Momenten nimmt sein Folk immer wieder rasante Fahrt auf, wobei das Setting mit Bassist und einem Drummer, der gleichzeitig (!) Posaune spielt, zusätzlich zu Fabers Gesang und Gitarre stets etwas von einem durchgeknallten Straßenmusik-Happening besitzt. Als „Akustik-Punk für Mädchen“, würden manche daher ihren Sound betiteln, erzählt Faber und grinst.

Diese Kenntlichkeit und der damit einhergehende Wiedererkennungswert waren sicher eine große Hilfe als Faber 2015 eine Crowdfunding-Kampagne startete, um das Geld für seine allererste EP einzubringen. Es klappte, „Alles Gute“ konnte gepresst werden und erzeugte bei Publikum und Medien derartig viel positive Resonanz, dass die nun 2016 folgende EP es nicht mehr nötig hat, ihr Publikum um einen Vorschuss zu anzuhauen – und sich dennoch für eine hochprofessionelle (lies: fette) Produktion im Berliner Studio von Tim Tautorat einschließen konnte, der sonst unter anderem schon mit den Eagles Of Death Metal und den Manic Street Preachers arbeitete. „Abstinenz“ lautet der Titel der EP und ihr Eröffnungsstück erzählt davon, wie es ist, zu Boden zu gehen.

Bildquelle: facebook | Künstler
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