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Mittwoch, 01. März 2017, 00:00 Uhr

Der Geräuschemacher

Für jeden Film das richtige Geräusch

Er zieht Frauenschuhe an, reibt Mehlsäckchen aneinander und sammelt Telefone. Max Bauer macht all das für seinen Beruf: Er ist Geräuschemacher für Filme.


Max Bauer muss selbst lachen, wenn er sein Studio in München-Sendling beschreibt. „Naja, hier herrscht kreatives Chaos“, grinst er. Überall im Studio und im angrenzenden Lagerraum liegen Gegenstände verteilt. Schreibmaschinen, Würfel, Telefone, eine ganze Wand hängt voller Türen. Wie viele Gegenstände er gesammelt hat, weiß er nicht. Seit rund 25 Jahren ist  er Geräuschemacher. Rund 40 dieser Klangkünstler gibt es derzeit in ganz Deutschland. Eine klassische Ausbildung als Geräuschemacher hat keiner von ihnen. Gibt es einfach nicht. Stattdessen wird sich das Handwerk selbst beigebracht oder von älteren Geräuschemachern weitergegeben. So war es bei Max: Er war drei Jahre in der Lehre bei einem Altmeister und übernahm nicht nur sein Wissen, sondern später auch dessen Studio.

Wozu braucht es Geräuschemacher?

Kaum ein Film kommt ohne nachträglich hinzugefügte Geräusche aus. Entweder weil der Originalton vom Dreh nicht gut genug ist, der Film in verschiedenen Ländern erscheinen soll oder ganz einfach, weil gar kein Ton am Set aufgenommen wurde. Zwar gibt es viele der Sounds auch digital und in riesigen Archiven gespeichert. Praktisch ist das aber oft nicht.

Das Problem bei Tönen aus dem Archiv ist, die passen oft nicht ganz genau.
Damit so ein archivierter Sound richtig klingt, muss ein Tonmeister mehrere Stunden daran arbeiten. Schritte sind zum Beispiel so ein Spezialfall. Die Geräusche müssen zum Untergrund, der Umgebung und natürlich auch der Haltung des Schauspielers passen. Und natürlich synchron zu den Schritten im Bild sein. Wenn der Protagonist zum Beispiel in der Szene zuvor noch angeschossen wurde und ein Bein hinterherschleift, dann dauert das Anpassen der Töne Ewigkeiten. Da ist Max wesentlich schneller. Er macht viele der Geräusche in Echtzeit, auch Schritte. Auf einem eigens für ihn gegossenen Podest sind alle erdenklichen Bodenbeläge direkt nebeneinander. Läuft ein Schauspieler im Film von Schotter über Wiese auf eine Straße muss Max nur jeweils einen Schritt weiter und hat schon den passenden Klang zum Schritt.

Mehrere Tage pro Film

Trotzdem braucht Max je nach Aufwand für einen normalen Spielfilm zwischen drei und neun Tagen. Interessante Aufträge für ihn müssen dabei nicht unbedingt anspruchsvolle Filme sein. Ganz im Gegenteil.

Knochen brechen ist einfach spannend als Geräusch.
Horrorfilme oder irgendwelche Splattermovies würde er sich zwar wegen der flachen Story niemals anschauen, aber er mag es die Geräusche dafür zu machen. Brechende Knochen, Quetschungen – da gibt es eben mal andere Sounds als Schlüsselgeräusche oder zuschmetternde Türen.

Geräusche zum Selbermachen

Max‘ aktuelles Lieblingsgeräusch sind Schritte im Schnee. Und die sind gar nicht so schwer zu machen. Es braucht nur zwei Stoffsäckchen, die mit Speisestärke gefüllt sind. Wenn man die aneinander reibt, hat man schon den Sound von Schritten im Schnee.



Auch ein einfaches Geräusch zum Selbermachen: ein Bienenschwarm. Einfach einen Würfel in einen Luftballon stecken, zusammen aufblasen und dann den Ballon kreisen lassen. Klingt erstaunlich bedrohlich.



Im Studio des Geräuschemachers

Max ist aber nicht nur im Studio unterwegs. Er hat, um uns die Kunst des Geräuschemachens näher zu bringen, ein Bühnenprogramm zusammengestellt. Gemeinsam mit seiner Frau weiht er alle Zuschauer  in das Handwerk ein und vertont sogar live einen Stummfilm auf der Bühne. Das nächste Mal ist er am 10. Mai in der Hochschule für Film und Fernsehen zu sehen.



Bildquelle: egoFM