Carin Müller im Gespräch über mentale Grenzen des Extremsports und ihren neuen Roman "Die Ozeanschwimmerin".
Vom Hamburger Nordlicht in die Tiefen der Weltmeere
Wer Carin Müller alias Charlotte Tarnowski heute über die mörderischen Bedingungen des Freiwasserschwimmens sprechen hört, merkt sofort: Hier redet jemand, der das Element Wasser nicht nur liebt, sondern es bis in die tiefsten Poren versteht. Aufgewachsen in Oberbayern, war die Nähe zum kühlen Nass für sie schon immer prägend. Doch nach der Schule schlug sie erst einmal den Weg der Worte ein: Es folgten ein Geisteswissenschafts-Studium und eine erfolgreiche, langjährige Laufbahn als freie Journalistin. Fakten checken, hartnäckig recherchieren, die Realität abbilden – das ist Carins journalistisches Handwerk. Unter verschiedenen Pseudonymen hat sie sich bereits eine treue Leserschaft erschrieben. Doch mit ihrem großen, unter eigenem Namen veröffentlichten Belletristik-Debüt Die Ozeanschwimmerin (Goldmann Verlag) bricht sie nun in völlig neue, hochemotionale literarische Gewässer auf."Als Journalistin hältst du dich an die nackten Fakten. Aber für diese Geschichte musste ich die Seiten wechseln und tief in die fiktive, emotionale Extremwelt meiner Protagonistin eintauchen." – Carin Müller
Sieben Meerengen und die unbarmherzige Natur
Im Zentrum des Romans stehen die "Ocean's Seven" – das Freiwasser-Äquivalent zu den "Seven Summits" der Bergsteiger. Sieben weltweite Meerengen, die den Athlet*innen alles abverlangen. Charlottes Protagonistin Sophie wirft sich unerschrocken und nur im dünnen Badeanzug in diese Herausforderung. Sie durchschimmt quälende Teppiche aus Löwenmähnenquallen im eisigen Nordkanal, trotz heftiger Strömungen, Seenebel und nächtlicher Haibegegnungen. Dabei räumt Carin in ihrem Buch auch radikal mit gängigen Klischees auf. Das Meer ist bei ihr kein Hollywood-Monster, sondern eine unberechenbare Naturgewalt, die dem Menschen oft mit einer ganz eigenen, faszinierenden Schönheit begegnet. Doch die Reise ist kein glatter Triumphzug: Eine miese Lebensmittelvergiftung der Crew vor Santa Catalina zeigt unbarmherzig, wie banal und unvorhersehbar Rückschläge im echten Leben sein können."Beim Marathonschwimmen brauchst du absolute Ehrlichkeit zu dir selbst. Du darfst dich nicht belügen. Das ist keine Frage des reinen Wollens, sondern eine Übung in Akzeptanz." – Carin Müller
Wenn der Zorn die Trauer besiegt
Hinter der sportlichen Höchstleistung verbirgt sich in Die Ozeanschwimmerin jedoch eine tief traumatische Reise. Sophie hat bei einem tragischen Unglück in Schottland alles verloren: ihren Mann Andy, ihren Teenager-Sohn Nevin und den Familienhund Beaver. Das stundenlange, rhythmische Kraulen im offenen Ozean wird für sie zum einzigen Ort, an dem sie der lähmenden, erstickenden "Watte ihrer Trauer" entkommen kann. Im Interview spricht Carin offen über die Psychologie des Schmerzes und warum das Buch bewusst die Phasen von Schmerz über Zorn bis hin zur Hoffnung durchläuft. Erst als die Trauer im warmen Pazifik von Hawaii in puren, wilden Zorn umschlägt, bricht Sophies innerer Schutzpanzer auf – und macht den Weg frei für echte Heilung und unerwartete Verbündete, wie den sandfarbenen Streuner Bacon. Das ganze Gespräch über die Grenzen des Körpers, das Schreiben über tiefen Verlust und die Frage, was am Ende eigentlich echtes Glück bedeutet, kannst du hier hören und überall, wo es Podcasts gibt. Hier gibt es das ganze Interview zum Nachhören
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