Das gibt's nur in Kanada

Das gibt's nur in Kanada

Besonderheiten von Eisbären zu Ahornsirup

Von  Fred Schreiber
Ob Eisbären oder Ahornsirup. Diese Dinge wusstest du noch nicht über Kanada.


Dawson City

Dawson City, 1898. In den Saloons fließt Champagner. An den Pokertischen wechseln Vermögen den Besitzer. Die Tanzlokale sind voll. Goldstaub dient als Zahlungsmittel. Mitten in der Wildnis im Nordwesten Kanadas ist eine Stadt mit 80.000 Einwohner*innen entstanden. Der Rausch beginnt im August 1896. An einem kleinen Nebenfluss des Klondike River im heutigen Yukon stoßen Goldsucher auf große Mengen Gold. Die Zeitungen überschlagen sich. Und fast über Nacht machen sich Hunderttausende auf den Weg nach Kanada - oft nur mit einem Mantel und einer Schaufel. Die kanadische Regierung beginnt Gesetze zu erlassen. 

Es gibt keine Bahn und keine Straße zum Yukon. Viele Stampeders, wie man die Glücksritter nennt, laufen die Strecke dutzende Male, um die vorgeschriebene Ausrüstung beizubringen. Als die große Masse der Goldsucher endlich Dawson erreicht, sind die besten Claims längst vergeben. Wer die harte Arbeit überlebt oder ihr überdrüssig wird, versucht sein Glück in Dawson City selbst. Innerhalb kürzester Zeit entstehen Hotels, Restaurants, Saloons, Tanzlokale und Etablissements. Reich werden am Klondyke weniger die Goldsucher, sondern eher die Gewerbetreibenden und Ausrüster. Die Preise explodieren. Ein Abendessen kostet zehn, eine Schaufel 100 Dollar. Und dann ist alles fast genauso schnell vorbei, wie es begonnen hat. Immer weniger Gold wird gefördert und 1899 wird weiter nordwestlich in Nome, Alaska, eine neue Ader entdeckt. Der Treck der Goldverrückten zieht weiter. Und aus der Boomtown Dawson City wird eine Geisterstadt. Heute leben dort nur noch 1500 Menschen. 


Ahornsirup

Québec, Sommer 2012. Ein Mann öffnet eines der Fässer in einer unscheinbaren Lagerhalle. Eigentlich sollte dieses bis zum Rand mit Ahornsirup gefüllt sein. Doch im Fass ist Wasser. Es ist der ungewöhnlichste Diebstahl, der als "The Great Canadian Maple Syrup Heist" in die kanadische Geschichte eingeht. Am Ende fehlen rund 3.000 Tonnen Ahornsirup. Kanada beherrscht 75% des Ahornsirup Weltmarkts. Und dass er überhaupt so wertvoll sein kann, liegt an der Art der Herstellung. Die Ernte ist nur an wenigen Tagen im Frühjahr möglich, wenn die Nächte kalt und die Tage warm sind. Spielt das Wetter nicht mit, fällt die Ernte entsprechend schlechter aus. 

Und deshalb gibt es in Québec etwas, das in dieser Form wohl nur Kanada haben kann: Die Strategic Maple Syrup Reserve. Der Großteil der kanadischen Ahornsirup Reserve wird an einem Ort eingelagert – und auf die haben es die Gauner abgesehen. Monatelang schaffen sie Fässer weg, pumpen den Sirup heraus und ersetzen ihn durch Wasser. Und lange Zeit fällt das überhaupt nicht auf. Bis zu einer Routinekontrolle. Die Polizei beginnt zu ermitteln. Ein großer Teil der Beute ist längst weiterverkauft worden – über Zwischenhändler in Kanada und den USA. Mehrere Beteiligte werden gefasst und verurteilt.
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Polar Bear City

Im Norden Kanadas, an der Westküste der Hudson Bay gibt es eine kleine Stadt mit rund 800 Einwohner*innen namens Churchill. Churchill liegt genau auf der Wanderroute der Eisbären und jedes Jahr im Herbst warten sie darauf, dass die Hudson Bay zufriert, damit sie sich aufs Eis begeben können, um Robben zu jagen. Vor allem in dieser Zeit bedeutet das für die Einwohner*innen Churchills: Höchste Wachsamkeit. Eisbären sind von Natur aus neugierig und vor allem eines: Immer hungrig. Und alles, was mit uns Menschen zu tun hat, ist für sie dadurch von höchstem Interesse.

Sollte sich also wieder mal ein Eisbär in der Stadt blicken lassen, werden die Bewohner gewarnt und spezielle Einsatzkräfte rücken aus. Und sollte sich der Bär durch Lichtsignale und Sirenen nicht vertreiben lassen, wird er eingefangen und ins Gefängnis gesteckt – und zwar ohne ihn zu füttern. Danach werden sie registriert, betäubt und mit einem Helikopter weiter nach Norden gebracht. Natürlich sind die Tiere verängstigt und verwirrt, aber die Verbringung scheint die einzige Alternative zu sein. In Churchill haben sich die Menschen mit ihrer Umgebung nicht nur abgefunden, sondern erkannt, dass sie die Gäste sind – nicht die Eisbären.

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