Ein Leben zwischen zwei Welten
Nach mehr als 30 Jahren in den USA zieht es Marc Pitzke zurück nach Deutschland. Seine Wohnung in New York ist aufgelöst, die Kisten befinden sich im Container auf hoher See – das Ziel ist Hamburg. Im Gespräch mit egoFM-Moderator Dominik Kollmann beschreibt Pitzke das Gefühl des Neuanfangs als eine Art „Twilight Zone“:
„Es ist ja mehr als ein Umzug. Es ist ja quasi eine Einwanderung, eine Auswanderung. Ich kenne Deutschland nicht mehr, ich bin wie ein Fremder hier.“ – Marc Pitzke
Dabei begann die Liebe zu Amerika schon in seiner Jugend in Mülheim an der Ruhr. Ein Poster der Bay Bridge in San Francisco an der Kinderzimmerwand weckte die Sehnsucht nach der Ferne. 1980 ging er als Austauschschüler in die USA – und war fasziniert von der Offenheit und dem Lebensgefühl.
Vom Traum zum Reporterleben in New York
Mit 30 Jahren setzte Pitzke schließlich alles auf eine Karte: Er verkaufte sein Auto, löste seine Ersparnisse auf und zog nach New York, um an der renommierten Columbia University zu studieren. Aus dem wagemutigen Schritt entwickelte sich eine beeindruckende Karriere als US-Korrespondent – zunächst für Die Woche, später jahrzehntelang für den SPIEGEL. Als Journalist erlebte Pitzke die historischsten Wendepunkte des Landes hautnah mit. Ein Erlebnis hat sich dabei besonders tief eingebrannt: der 11. September 2001.„Das Gehirn kommt da nicht so mit, das zu verkraften. Man denkt erstmal nicht an das Undenkbare. […] Da hat sich zum ersten Mal so richtig für mich die Rolle des Beobachters und des Betroffenen vermischt.“
In den Wochen nach den Anschlägen erlebte Pitzke aber auch die einzigartige Faszination New Yorks: Eine Stadt, die trotz der Tragödie zusammenrückte und zusammengeschweißt wurde.
Warum aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen wurde
In seinem neuen, sehr persönlichen Buch „Abschied von Amerika“ zieht Marc Pitzke Bilanz. Der ursprüngliche Arbeitstitel trug noch ein Fragezeichen – doch im Laufe des Schreibprozesses wurde klar, dass der Abschied endgültig ist. Neben der extremen politischen Spaltung, dem rasanten Anstieg der Lebenshaltungskosten und der veränderten gesellschaftlichen Stimmung waren es auch ganz persönliche Gründe: die Nähe zur Familie in Deutschland und der Wunsch nach mehr Stabilität.„Das, was ich mir gedacht habe, weswegen ich hierhin gekommen bin, das ist zwar noch da, aber es wird immer mehr zugeschüttet von anderen Sachen. […] Wenn wir jetzt nicht die Reißleine ziehen und noch mal ein neues Abenteuer erleben, schaffen wir das nicht mehr.“
Das gesamte Interview mit Marc Pitzke gibt es hier und überall dort, wo es Podcasts gibt.


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