Wie lustig sein zum ernsthaften Beruf wird

Wie lustig sein zum ernsthaften Beruf wird

Hauke van Göns über den Beruf als Comedian

Stand-up, Scheitern und ein bisschen Selbstironie: Comedian Hauke van Göns spricht mit uns über peinliche Auftritte, Comedy-Grenzen und warum jede*r einfach mal auf die Bühne sollte.

Hauke van Göns im Interview

Serien wie Rentierbaby, Hacks oder The Marvelous Mrs. Maisel geben einen unterhaltsamen, aber oft überzeichneten Einblick in das Leben von Comedians – zwischen Glanzmomenten und Scheitern. Wie der Comedy-Alltag abseits der Dramaturgie wirklich aussieht und warum der Weg ins Stand-up nicht immer witzig ist, erklärt uns Hauke van Göns im Interview. Der sollte es ja wissen, immerhin ist er Vizemeister im Stand-up Comedy.
  • Hauke van Göns im Interview
    Wie lustig sein zur ernsthaften Arbeit wird

Stand-up ist kein Selbstläufer – sondern Trial and Error

Eines zeigen Serien über Comedians allerdings ganz gut: Comedians arbeiten nicht einfach spontan drauflos. Hinter jeder Pointe steckt Handwerk und meistens eine Menge Frust. Hauke van Göns, selbst Stand-up-Comedian und Mitorganisator des Lucky Punch Comedy Clubs in München, kennt das nur zu gut. Comedy sei oft eine brotlose Kunst, sagt er, in der man sich regelmäßig auf die Schnauze legt – und trotzdem weitermacht.

Der erste Auftritt fand jedoch nicht etwa in einem gemütlichen Club statt, sondern bei einer Varietéshow in Wilhelmshaven. Und war furchtbar, eingerahmt von einem traurigen Singer-Songwriter und einem noch traurigerem Poetry Slammer. Das Publikum war sichtlich... irritiert. Trotzdem: Hauke hat Blut geleckt.

Kein Gag ohne Gegenwert: Was einen Comedian ausmacht

Was für Menschen werden Comedians? Die Klischees reichen vom ewigen Klassenclown bis zu tiefgründigen Zyniker*innen mit Mikro. Die Wahrheit ist natürlich anders, viel vielfältiger. Es gibt keinen Merkmalszettel, anhand dessen man prophezeien kann, dass man Comedian werden sollte.
Haukes Humor ist schwer in Schubladen zu packen: mal absurd, mal alltagsnah, oft selbstironisch. Bartlosigkeit, Augenringe, Körpergröße – die besten Vorlagen findet er bei sich selbst. Aber auch größere Themen wie Politik tauchen auf – wenn's passt. Für Hauke zählt eher der Blickwinkel: Der Witz muss einen neuen Dreh liefern, nicht das Thema allein.

"Das Spannende an der Stand-up Comedy ist, dass wir immer versuchen einen neuen Blickwinkel auf ein Thema zu finden, immer einen neuen Angle zu finden für all das, was wir alle schon irgendwie kennen, und dann aber noch mal irgendwie um die Ecke zu kommen, mit etwas mit dem man nicht rechnet." - Hauke van Göns

Wie man Stand-up eigentlich lernt

Wer Comedy machen will, muss raus auf die Bühne. Open Mics sind der Einstieg und gerade größere Städte wie München bieten davon mittlerweile einige. Haukes Tipp: schreiben, testen, verwerfen, umschreiben, wieder testen. Am besten immer live, denn nur auf der Bühne zeigt sich, was funktioniert.

Gerade für Anfänger*innen wichtig: Der erste Auftritt sollte in einem geschützten Raum stattfinden, damit man dranbleibt. Deshalb schafft der Lucky Punch Club gezielt Räume für Nachwuchs. Nicht nur mit Open Mics, sondern auch mit Workshops inklusive Abschluss-Show.

Die Grenzen des Humors

Für Hauke gilt: Grundsätzlich ist alles erlaubt – aber je härter das Thema, desto besser muss der Joke sein. Wer neu in der Szene ist, sollte sich an schwere Kost lieber erst später wagen. Nicht aus Angst vor Cancel Culture, sondern weil es Übung braucht, heikle Themen gut und respektvoll zu verarbeiten.

Die Faustregel: Wenn du selbst nicht sicher bist, ob der Joke funktioniert, dann lass ihn erstmal liegen.

Das ist natürlich nur Haukes Meinung. Denn die Debatte darüber, was Comedy und Satire dürfen, ist uralt und ziemlich hitzig. Eine andere Meinung findest du zum Beispiel in diesem Text.

Funktioniert Humor überall gleich?

Hauke kommt ursprünglich aus Ostfriesland, lebt aber mittlerweile in München. Ob sich der Humor im Norden und Süden unterscheidet? Ein bisschen. Manches braucht mehr Erklärung, anderes kommt schneller an. Aber ein guter Joke funktioniert überall, mit ein paar Anpassungen an Publikum, Alter, Dialekt und Kontext.

Für ihn ist das Publikum wie ein Instrument: Wer Stand-up ernst nimmt, lernt es zu spielen – mit Tempo, Pausen, Energie. Jede Crowd ist anders, aber genau das macht den Reiz aus.

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Tipps für Comedy-Newbies

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst mal Stand-up zu machen, hat Hauke klare Worte: spielen, spielen, spielen. Wer erst drei Auftritte hatte und nach Feedback fragt, sollte lieber erstmal weiter auftreten. Wichtig ist: Schreib dein Material, aber verliere dich nicht in Theorie. Comedy passiert auf der Bühne.

Empfehlenswert: The Comedy Bible von Judy Carter oder ein Workshop beim Lucky Punch Club. Aber selbst da gilt: Es führt kein Weg daran vorbei, sich vor Publikum auszuprobieren. Und ja, dass wir da gleich ehrlich drüber sind: Man wird scheitern. Mehrfach. Aber genau darin liegt der Fortschritt.

Der Lucky Punch Comedy Club: Bühne für neue Stimmen

Wer Lust hat, Comedy nicht nur zu schauen, sondern selbst zu machen, sollte sich den Lucky Punch Comedy Club merken. In München gibt’s regelmäßig Open Mics, Workshops und Shows – und Hauke ist meistens mit dabei. Auch für Anfänger*innen eine echte Chance, sich auszuprobieren.

Wer ihn live sehen will: Hauke steht regelmäßig in München und ganz Deutschland auf der Bühne. Mal in Hamburg im Quatsch Comedy Club, mal beim nächsten Open Mic ums Eck.

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